Die Gewohnheit der 7. Generation

Ich glaub - sie stellte die Waschmaschine an jedem Morgen zur selben Zeit an, um nicht aus einem Gewohnheitsrythmus heraus, über die Monotonie, so wie ich diese zumindest empfand, über die Monotonie ihres Daseins nachdenken zu müssen. Mag sein: das war inzwischen ebenso mein Zustand, denn ich stand, wie fast jeden Morgen in einer Spätschichtwoche mit einem Stapel , diesmal aus ein paar meiner Jeans-, Stoffhosen und einem roten Wollpullover - vor der sich im 40 Grad Modus befindenden Waschmaschine, um zu denken: Nerv schon belegt. Meine Mutter grad, stieg bereits auf ihr Fahrrad, um ein halbes Brot in der hiesigen Dorfbäckerei zu holen, so wie sie es immer schon seit Jahren tat, seit meine Großmutter das Zeitliche gesegnet hatte und ihr diese Aufgabe wohl neben anderen Pflichten und Tagesabläufen quasi vererbte. Genau zwei Wochen nach diesem Todestag - es war im November 1998 und ich erinnerte mich, dass es einen ersten Schnee gab, kündigte ich meine Holzdielenengelsstuck-Zweizimmerwohnung in der näher gelegenen Stadt und zog in das obere Stockwerk des Wohnhauses eines Restbauernhofes ein. Zurück in ein Haus in dem mein einstiges Zimmer ohne die Stücke meiner Kindheit nun zum Ausgedinge meines Großvaters diente. Wir schleppten einen schweren dunklen Eichenholzschrank nach unten. Als erstes vermisste ich hier die Leichtigkeit der Wunder meiner Kindheit, die ich einfach nicht wieder fand und dabei an der Euphorie zu meinen Ideen verlor. Das merkte ich als ich meine Stafelei auf den Dachboden stellte. Wozu denn malen, wenn es nichts brachte. Mit nichts war wohl Geld gemeint - dann später und leise mit Sehnsucht fehlten mir die knarrenden Holzdielen aus der Wohnung, auf denen man bare Füße am Morgen hören konnte, wenn sie sich in die Küche schlichen, um Kaffee zu kochen. Dieser mein - ein kleiner Genuss von Männerbesuch auch solcher, der nur für eine Nacht blieb, passten hier nicht. Passten nicht in Abläufe. Es waren nicht meine und vermutlich nicht ihre - und ebenso nicht die meiner Großmutter. Abläufe. Sie waren einfach so wie das Haus voller Geschichten und alten Kartons mit Fotos gestellt war, blieb ich als 7. Generation wie die anderen vor mir einfach darin stecken.

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im traumtaumel (ver)tausche ich (fast) alles auch gedanken und gefühle welche sind deine und oder aber meine? wer ist wer hinter allem?

grad geschrieben

Schön,
dass du Dinge fotografierend so fest halten kannst,...
EinGedicht - 14. Juni, 00:03
Schön.
:)
EinGedicht - 13. Juni, 15:43
traute
:D.
sternenfindelkind - 10. Juni, 14:21

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